14. November – 15. Dezember 2026
AUSSTELLUNG: Priceless Things
VERNISSAGE: Samstag, 14. November, 17 Uhr, mit Performance

KÜNSTLER*INNEN
Agente Costura | Alisa Tretau | Amazonen in Berlin | Constanze Klar | Federica Teti | FuHo Tsai | Helen Lanwehr | Henok Getachew Woldegebreal | Ilgın Uçar | Judith Greitemann | Kristina Popov | Max Schlag | Zoë Sebanyiga
Die Ausstellung Priceless Things versammelt künstlerische Arbeiten, die sich mit Dingen, Beziehungen und Praktiken beschäftigen, deren Wert sich nicht in Geld bemessen lässt.
Unbezahlbar ist das Immaterielle und Unwiederbringliche wie Lebenszeit, Erinnerungen, Gefühle und Beziehungen. Doch auch materielle Dinge wie Fundstücke, Geschenke und Weggeworfenes können unbezahlbar sein – gerade wenn sie zufällig zu uns gelangen und nicht als Massenware jederzeit verfügbar sind.
Ebenso unbezahlbar sind natürliche Ressourcen und das, was eigentlich allen zustehen sollte wie die Luft zum Atmen, ein Leben in Würde und Sicherheit.
Was pflegen und bewahren wir? Care – im ökologischen wie im sozialen Sinne – wird in Priceless Things zu einer politischen, aber auch ästhetischen Frage. Die Ausstellung schafft eine Plattform für Künstler*innen, deren Arbeit ein Bewusstsein für Ressourcen mit der Fürsorge für Menschen, Beziehungen und gemeinschaftliche Prozesse verbindet. Die gezeigten Arbeiten beschäftigen sich mit unterschiedlichen Facetten des Unbezahlbaren und stellen einer ökonomischen Logik von Effizienz und Produktivitätsdenken eine Ästhetik der Fürsorge entgegen. Dabei spielt nicht nur die Erscheinung und Präsentation einer Arbeit eine Rolle, sondern auch die Art und Weise, wie, unter welchen Bedingungen und in Verbindung mit welchen ethischen Werten sie entsteht.
Die ausgestellten Werke zeigen Installationen, Objekte und deren Inszenierung, Fotografie, Film und Performance. Sie lassen an vielfältigen gesellschaftspolitischen Fragestellungen und Perspektiven teilhaben, wie beispielsweise kollektives Lernen und die Wiederverwendung von Materialien; ökofeministische Perspektiven; Körper als Träger von Erinnerung; Care-Arbeit wie auch die Gefährdung der Umwelt durch Plastikverschmutzung.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Projekt „Laden der unbezahlbaren Dinge“ (2024), kuratiert von Fenia Franz. Darin wurde ein ehemaliges Ladengeschäft in einem fast leer stehenden Einkaufszentrum zu einem temporären Projektraum für nachbarschaftlichen Austausch und gemeinsame künstlerische Aktionen mit interdisziplinären, sozial engagierten Künstler*innen.
Priceless Things überführt dieses Konzept in eine Ausstellung im Rahmen des kuratorischen Programms „Connecting“ im Neurotitan. Die Ausstellung ist weniger als Aufreihung autonomer Kunstwerke gedacht, sondern als gestaltete Umgebung und ein sozialer Ort. Neben einem Programm aus Gesprächen, Workshops und Performances lädt der Raum zum einfachen Verweilen ein.
Ausstellungsprogramm
Samstag, 14. November 2026, 17-22 Uhr, Vernissage
19 Uhr: „Aus Scheiße Gold machen“, Lecture Performance von Constanze Klar
Samstag, 21.11. & 28.11.2026
FÜhrungen, Artist Talks und Workshops
Samstag, 05.11.2026, 17 Uhr
Noise-Karaoke-Performance von Agente Costura
Einblicke in die Werke
Agente Costura und Federica Teti verbinden handwerkliche Praxis, kollektives Lernen und die Wiederverwendung von Materialien. In Priceless Things zeigen sie Arbeiten aus partizipativen Projekten, darunter selbstgebaute Klangapparate und Instrumente aus Alltagsgegenständen, die bei einer Noise-Karaoke-Performance gemeinsam mit dem Publikum aktiviert werden.
Das Künstlerinnen-Duo Amazonen in Berlin beschäftigt sich aus einer ökofeministischen Perspektive mit der Darstellung von Frauen* im öffentlichen Raum. Für die Ausstellung zeigen sie eine mit jugendlichen FLINTA* entwickelte Installation aus umgestalteten Barbie-Puppen, die stereotype Rollen- und Körperbilder hinterfragen.
In seinen kinetischen Installationen verwendet Henok Getachew Woldegebreal scheinbar wertlosen Verpackungsmüll und verwandelt ihn durch motorisierte Rotation in einen rauschenden, niemals endenden Strom aus Plastiktüten und Abfall.
Ilgın Uçar beschäftigt sich in Objekt-Inszenierungen mit dem Phänomen der Obsoleszenz. Sie untersucht die Geschichten und Bedeutungen überflüssig gewordener Gegenstände – vom abgelaufenen Pass bis zum nicht kompatiblen Klobürstenaufsatz.
Zoë Sebanyiga verbindet ihre textile Praxis mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen und dem Körper als Träger von Erinnerung. Für Priceless Things zeigt sie analoge Fotografien von Max Schlag, der sie nach einem schweren Unfall porträtierte – als Ausdruck der Rückeroberung des eigenen Körpers und der Suche nach der eigenen Schönheit.
Judith Greitemann und Helen Lanwehr arbeiten in ihrem Kurzfilm „portrayed by“ mit dem Konzept der Aesthetics of Access und künstlerischer Audiodeskription. Die Protagonist*innen porträtieren sich darin selbst, indem sie sich in einem modularen Set aus Objekten und Texturen, die ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, beschreiben und in Szene setzen.
Fu-Ho Tsai untersucht das Thema körperlicher, oft unsichtbarer Care-Arbeit, etwa im Kontext von Elternschaft. Für Priceless Things zeigt Tsai die interaktive, gehäkelte Wandarbeit „0-1-0/2026“ aus Löwenzahnstängeln. Besucher*innen sind eingeladen, die Arbeit durch das Umstecken einzelner Elemente zu erweitern und zu verändern.
Die Arbeit „Plastikfischen gegen das Vergessen“ von Kristina Popov und Alisa Tretau widmet sich der Plastikverschmutzung in der Spree. Sie zeigen die in Workshops entstandenen „erzählenden Banner“ – Cyanotypien mit den Silhouetten der aus dem Fluss gefischten Objekte.
Zur Eröffnung führt Constanze Klar die Lecture-Performance „Aus Scheiße Gold machen“ auf. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen, Gesprächen und gesellschaftlichen Realitäten und im Dialog mit ihrem Knetfiguren-Ensemble untersucht Klar die widersprüchliche Aufforderung, sich selbst und die eigene künstlerische Arbeit ständig zu verwerten.
Damit thematisiert Klar einen wichtigen Aspekt der Ausstellung – die prekäre Realität, die oft mit Fürsorglichkeit einhergeht: Das Kümmern, Hinterfragen und Aufarbeiten von Materialien und sozialen Prozessen ist zeitaufwändig, mühselig und entzieht sich der ökonomischen Logik von Effizienz und Produktivitätsdenken.
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