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19. September – 10. Oktober 2026

AUSSTELLUNG: Urban Witches not Bitches IV: INTERBEING

VERNISSAGE: Samstag, 19. September, 18 Uhr

 

 





KÜNSTLER*INNEN


Yunuen Rhi, Wer Da, Viviana Druga, Veslemøy Rustad Holseter, Sophie Soni, Nischal Khadka, Nora Cristea, Nia Pushkarova, Moran Sanderovich, Lady Gaby, Polańska Laura, Kimberly Gray Ennis, Ionee Waterhouse, HYENAZ, Han Bing, GRANDMAS, Darina Alster, Camille Lacadée, Carolin Langner & Stefanie Walk, Berglind Ágústsdóttir, Andrea Ludovic und Alina Tofan




Text und Kuration: Viviana Druga




Die vierte Ausgabe der Ausstellungsreihe Urban Witches Not Bitches versammelt ein transnationales Netzwerk von Künstler*innen aus den Bereichen Performance, Sound, Installation, Fotografie, Video, Skulptur und sozialer Intervention. Im Zentrum steht das Konzept des Interbeing – des „Zwischen- Seins“ oder „Miteinander-Seins“. Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass nichts für sich allein existiert, sondern Formen, Körper, Stimmen und Bedeutungen erst durch ihre Beziehungen zueinander entstehen. Leere wird dabei nicht als Abwesenheit verstanden, sondern als etwas Materielles.

Die Ausstellung richtet die Aufmerksamkeit auf Frequenzen unterhalb der Sprache, auf Wiederholung, Atem, elementare Gesten und zyklische Zeit. Kunst erscheint als Beschwörung und als Prozess – etwas, das sich wie Rauch durch die Luft oder wie Klang durch den Körper bewegt. Die gezeigten Arbeiten beschäftigen sich mit Wiederholung, Dauer, Atem und zyklischen Zeitlichkeiten. Sie 2 verschieben damit den Fokus vom abgeschlossenen Werk hin zu fortlaufenden Prozessen der Entstehung. Statt stabile oder endgültige Formen hervorzubringen, bleiben sie offen und reagieren auf ihre jeweiligen Bedingungen – einschließlich der Anwesenheit der Betrachter*innen.

Gleichzeitig ist Interbeing in einer politisch aufgeladenen Gegenwart verortet. Die Ausstellung schafft Raum für künstlerische Praktiken, die sich mit Formen des Schweigens – sowohl auferlegtem als auch selbst gewähltem – sowie mit den Bedingungen von Abwesenheit, Auslöschung und Unsichtbarkeit auseinandersetzen. In einer Gegenwart, die von anhaltender Gewalt und Genozid geprägt ist, richtet sie den Blick auf das, was unausgesprochen und ungehört bleibt oder bewusst unsichtbar gemacht wird. Die Arbeiten bilden diese Zustände nicht unmittelbar ab, sondern machen ihre Auswirkungen in Leerstellen, Unterbrechungen, Rückzügen und fragilen Ausdrucksformen erfahrbar.

Interbeing bietet einen Rahmen, um über Koexistenz nachzudenken: darüber, wie Formen, Körper und Stimmen durch Beziehungen entstehen und wie Bedeutung unter instabilen, gemeinsam geteilten Bedingungen immer wieder neu ausgehandelt wird. Dabei arbeiten die beteiligten Künstler*innen aus unterschiedlichen geografischen, kulturellen und politischen Kontexten heraus. Die unterschiedlichen Positionen bilden keine homogene Gruppe, sondern eine Konstellation eigenständiger Stimmen.
Gemeinsam kreisen sie um die zentrale Frage der Ausstellung: Was bedeutet es, miteinander zu sein – to inter-be?

Verbunden sind sie durch ein Verständnis von Kunst als lebendigem, relationalem Prozess, der sich festen Bedeutungen entzieht und auf seine jeweiligen Bedingungen reagiert. Urban Witches Not Bitches IV: Interbeing versammelt damit künstlerische Praktiken, die sich über Wahrnehmung, Ritual, Körper, Erinnerung, Ökologie, Widerstand und dekoloniale Perspektiven annähern. Durch Leerstellen, Unterbrechungen und fragile Ausdrucksformen zeichnet die Ausstellung die Auswirkungen von Schweigen, Auslöschung und Koexistenz nach – nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Einladung, Beziehungen, Abhängigkeiten und gemeinsam geteilte Bedingungen in einer Zeit fortdauernder Krisen neu zu denken.



 

Teaser zu einigen Werken



Nia Ivanova Pushkarova entwickelt ortsspezifische Interventionen in vernachlässigten architektonischen
Räumen, während Wer Da sich mystischen Erkundungen von Licht und Zeit widmet.

Mad Kate und Lady Gaby verbinden Aktivismus unmittelbar mit ihrer künstlerischen Praxis und setzen
sich in queerer Performance und dadaistisch geprägter Poesie mit Grenzregimen, Konsumkapitalismus
und Militarismus auseinander.

Polańska Laura und Camille Lacadée untersuchen die durchlässigen Grenzen zwischen Körper, Natur
und Imagination.

Sophie Soni verwandelt weggeworfene Fundstücke von Küsten in rituelle Kleidungsstücke, die von
Verlust, Erinnerung und ökologischer Zerstörung erzählen.

Berglind Ágústsdóttir verbindet Sound, Skulptur und Performance zu immersiven Arbeiten, in denen
sich die Grenzen zwischen bildender Kunst und Musik auflösen.

Han Bing kehrt alltägliche Praktiken um und eignet sich Alltagsobjekte neu an, um kulturelle Konflikte
und gesellschaftliche Trennungen zu untersuchen.

Kimberly Gray Ennis beschäftigt sich in hypnotischen Filmarbeiten mit Trauer und überlieferten Erinnerungen,
während Ionee Waterhouse Wahrnehmung selbst als künstlerisches Material begreift
und untersucht, wie Bilder Wirklichkeit irritieren und Erinnerungen über Generationen hinweg neu
ordnen.

Carolin Langner und Stefanie Walk
dokumentieren in einer gemeinsamen fotografischen Praxis die
unmittelbare Intimität eines Lebens mit Krankheit.

Nischal Khadka verbindet klangliches Erbe aus dem Himalaya und indigene Ontologien mit Performances
über Arbeit, Migration und politischen Widerstand.

Die norwegische Künstlerin Veslemøy Rustad Holseter zeigt ihre skulpturale Arbeit erstmals in
Deutschland, während Andrea Ludovic elektronische Technik mit vielschichtigen orchestralen
Klanglandschaften verbindet.

Alina Tofan versteht den Körper als Ort von Erinnerung, Widerstand und ökologischer Verflechtung.
In immersiven performativen Umgebungen treten Körper, Landschaften und mehr-als-menschliche
Systeme in wechselseitige Beziehungen.

GRANDMAS präsentiert eine auf zivilem Ungehorsam basierende Performance, die Verschwendung,
Werbung und Plastikverschmutzung in einen ritualisierten Mandala-Tanz überführt und die
miteinander verflochtenen sozioökonomischen Verhältnisse des Anthropozäns thematisiert.